Gelöschte Fotos von einer Speicherkarte wiederherstellen

photorec_logoWer kennt das nicht – nach dem Kopieren der Fotos einer Speicherkarte auf den Computer werden die Bilder gelöscht doch auf einmal fällt einem auf, dass doch noch das ein oder andere Bild fehlt. Die Panik ist groß, doch relativ unbegründet wenn man schnell den Schreibschutz aktiviert und keine weiteren Daten mehr auf die Karte kopiert.

Denn durch ein normales löschen oder auch formatieren sind die Dateien auf der Karte nur „virtuell“ gelöscht. Das heißt, physikalisch sind sie weiterhin existent nur im Dateisystem sind sie nicht mehr verzeichnet. Das erklärt auch, warum das löschen so viel schneller geht als das Übertragen von Daten.

Um die Dateien wiederherzustellen gibt es verschiedene Tools. Unter anderem das von mir erfolgreich getestete Tool „PhotoRec“. Dieses OpenSource Tool gibt es für Windows, Linux und auch Mac OS X und stellt nicht nur Fotos von Speicherkarten wieder her, sondern findet auch gelöschte Videos und andere Dateien und das auch auf anderen Datenträgern wie CDs, Festplatten usw.

Benutzung

Hier eine Schritt für Schritt Anleitung für die Benutzung von „photorec“. Zwar sind auf den ersten Blick viele Schritte notwendig, doch muss man meistens nur die (meist) sinnvolle Vorauswahl bestätigen. So bleiben am Ende nur 2-3 Schritte notwendig bei denen Eigeninitiative gefragt ist. Auch kann man nicht viel falsch machen, wenn man vor der Benutzung den Schreibschutz aktiviert, wenn der Datenträger so etwas besitzt (Bei den meisten SD Karten gibt es dafür einen kleinen Schiebeschalter). Es wird nichts geschrieben sondern nur gelesen.

  1. Download der aktuellen PhotoRec Version von der Webseite für das eigene Betriebssystem. Anschließend das zip Archiv entpacken
  2. Spätestens jetzt muss der Datenträger mit den gelöschten Dateien angeschlossen sein. Also muss sich beispielsweise die SD Karte mit Kartenleser befinden. Vor unbedingt (wenn vorhanden) den Schreibschutz aktivieren!
  3. Wenn das gegeben ist kann das Tool gestartet werden. Unter Windows genügt ein Doppelklick auf die .exe Datei „photorec_win.exe“. Auch unter Mac OS X reicht ein Doppelklick auf die im Unterverzeichnis „darwin“ befindliche „photorec“ Datei. Linux Nutzer müssen manuell im Terminal in das entpackte Verzeichnis wechseln und mit „./photorec“ das Tool starten.
    Gegebenenfalls muss das sich öffnende Terminal Fenster noch größer gezogen werden
  4. Datenträger mit den gelöschten Fotos auswählen und mit „Enter“ bestätigen („Proceed“ muss ausgewählt sein)

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  5. Im nächsten Schritt muss der Typ der Partitionstabelle gewählt werden. Bei SD Karten die in Kameras benutzt werden kann hier in den allermeisten Fällen „Intel“ gewählt werden. Z.B. „Mac“ dürfte nur bei internen Mac Festplatten zum Einsatz kommen oder bei manueller Änderung des Partitionstabellentyps einer externen Festplatte. Im Regelfall reicht also die Vorauswahl „Intel“ mit „Enter“ zu bestätigen.

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  6. Anschließend werden die auf dem Datenträger evtl. vorhandenen Partitionen aufgelistet. Man kann entweder „No Partition“ wählen, dann werden alle Sektoren gescannt was zwar unter Umständen mehr Dateien findet (Wenn z.B. die Partitionen geändert wurden nachdem die gesuchten Dateien gelöscht wurden), dafür aber oft auch längere Zeit in Anspruch nimmt. Meistens reicht der Scan der vorausgewählten Partition (Bei SD Karten meist eine FAT32 Partition)

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  7. Im Nachfolgenden Bildschirm muss noch das Dateisystem ausgewählt werden. Da es nur zwei Optionen gibt und die richtige meistens vorausgewählt wird gestaltet sich das ziemlich einfach. Wenn der Datenträger nicht mit ext2 oder ext3 formatiert ist muss „Other“, ansonsten „ext2/ext3“ gewählt werden.
  8. Dann kommt noch eine letze Auswahl zum Scan ob der gesamte Speicherbereich gescannt werden soll (Whole) oder nur der, der nicht im Dateisystem belegt ist (Free). Letzeres ist in der Regel die richtige Wahl denn im Dateisystem verzeichnete Dateien kann man normalerweise ganz normal per Copy&Paste vom Datenträger kopieren. Wenn jedoch der Datenträger nicht mehr lesbar ist, sollte man „Whole“ verwenden.
  9. Jetzt ist wirklich der letze Schritt erreicht. Es kann muss nun mit den Pfeiltasten ein Verzeichnis ausgewählt werden, in welches die wiederhergestellten Dateien hineinkopiert werden sollen. Einfach das Verzeichnis wählen und mit „Enter“ betreten. Zum fortfahren mit „Y“ bestätigen.
    In dem gewählten Verzeichnis wird automatisch noch ein Unterverzeichnis „recup_dir“ angelegt, in welchem die Dateien gespeichert werden.

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  10. Nun startet der Scanvorgang. Man kann live sehen wie viele Dateien welchen Typs gefunden und wiederhergestellt wurden. Auch ist die vermutliche Restzeit für den Vorgang erkennbar.

    photorec5(Für die Screenshots habe ich einen USB Stick gescannt, deshalb die untypischen Dateitypen)

    Wenn „Recovery completed“ erscheint, ist der Vorgang vollendet und (hoffentlich) alle gelöschten Bilder sollten im beim Schritt 9 gewählten Verzeichnis enthalten sein. Was leider nicht wiederhergestellt werden kann sind die Dateinamen. Aber besonders bei Fotos sollte das kein Problem darstellen – Denn die EXIF Daten und natürlich der Dateiinhalt selbst werden gerettet.